Spruchauslegung


Geistliche Besinnung zum Monatsspruch September 2019

Was hülfe des dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?
Matthäus 16,26
Liebe Leserinnen und Leser,
in diesem Monatsspruch geht es um die Bedürfnisse, um die Wünsche und die Ziele die wir Menschen haben. Immer mehr, immer größer, immer weiter, immer besser, das sind Schlagworte, die wir in den Medien oft hören, wenn es um Politik und Wirtschaft, aber auch wenn es um berufliche Ziele und die Mehrung des äußerlichen Reichtums geht. Das Vorwärtskommen der einen geschieht aber häufig auf Kosten anderer. Die Ellenbogen werden eingesetzt und es wird wenig Rücksicht genommen.
Wenn eine große Bank ihre Bilanzen dadurch verbessert, dass sie tausende von Menschen auf die Straße setzt; wenn die Urlaubsziele von Millionen Menschen in den Sommerferien vor allem mit dem Flugzeug erreicht werden und dabei durch den starken CO2–Ausstoß der Klimawandel beschleunigt wird; wenn das Vorwärtskommen in Schule und Beruf mit Mobbing und Kaltschnäuzigkeit erreicht wird, dann bleibt das nicht ohne Folgen für die Menschen. In der Bank verbessern sich die Bilanzen. Aber was bedeutet das für die Entlassenen und ihre Familien? Und müssen die, die die Entlassungen zu verantworten haben nicht zwangsläufig ihr Mitgefühl unterdrücken? Im Blick auf den Urlaub ist es bequemer ferne Ziele mit dem Flugzeug anzusteuern. Aber was bedeutet der Massentourismus für die Umwelt? Die, die da Fliegen sind vielleicht sonst sehr für Umweltschutz eingestellt. Aber bei ihrem Urlaubsflug plagt sie kein schlechtes Gewissen. In Schule und Beruf sind eigentlich gute Teamarbeit und ein freundlicher Umgang miteinander erwünscht. Mobbing und rücksichtsloses Vorgehen verschaffen nur scheinbar einen Vorteil. Aber in Wirklichkeit vergiften sie den menschlichen Umgang und das Betriebsklima. Man könnte die Reihe der Beispiele dafür, dass wir Menschen oft mit zweifelhaften Methoden unsere Wünsche und Ziele verfolgen, noch lange fortsetzen.
Fragen wir uns jeweils selber wo wir ein Stück weit schizophren leben. In der Bibel stehen die Gedanken von unserem Monatsspruch beim Evangelisten Matthäus unter der Überschrift „Von der Nachfolge“. Es geht darum, was Menschen tun und was das für Folgen hat. Im Blick auf den Glauben ist entscheidend, dass das, was wir tun und was wir glauben, übereinstimmt.

Wir können nicht alles machen was wir wollen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken und wir tragen Verantwortung für unser Tun und Lassen. Oft werden Menschen nicht in dieser Welt für ihre Taten zur Re-chenschaft gezogen. Aber es gibt dennoch eine Verantwortung vor Gott. Und das was geschieht, wirkt sich nicht nur äußerlich aus, sondern auch auf die Seelen der Menschen. Wenn einer zum Beispiel ständig Filme sieht oder Computerspiele macht, die Gewalt verherrlichen, dann wird er selber zunehmend mehr verrohen und die Hemmschwelle Gewalt anzuwenden wird bei ihm sinken. Er hat auf der einen Seite Freude daran die Filme zu gucken und die Spiele zu spielen. Auf der anderen Seite nimmt er Schaden an seiner Seele.


Im Grunde möchte der Evangelist Matthäus durch seine mahnende Worte erreichen, dass wir über unser Verhalten nachdenken. Er weist uns darauf hin, dass nicht alles was wir machen gut ist. Er möchte aber nicht nur dass wir über unser Verhalten nachdenken, sondern er möchte auch, dass wir falsches Verhalten ändern und bereit werden zur Umkehr. Was unseren Glauben angeht so haben wir da die 10 Gebote und wir haben das, was Jesus uns in der Bergpredigt gesagt hat, die bei Matthäus in Kapitel 5 – 7 überliefert ist. Das alles ist für uns eine Richtschnur und eine Hilfe zu unterscheiden, was gut und richtig ist und was falsch und schädlich ist. Völlig ohne Widersprüche wird unser Leben auf dieser Welt nie ganz sein. Wir machen Fehler und wir haben Schwächen. Aber es braucht unser Bemühen, ein gutes und gottgefälliges Leben zu führen und dazu gehört unbedingt, dass wir immer wieder neu über unser Denken, Reden und Handeln nachdenken und das ändern, was wir ändern können. Und alles andere liegt in Gottes Hand und nur mit Gottes Hilfe kann unser Leben letztlich gelingen und ein gutes und erfülltes Leben sein.

Ihr Pfarrer Peter Stier