Spruchauslegung


Geistliche Besinnung zum Monatsspruch für März 2019

 Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.   (1. Samuel 7,3)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

von Martin Luther stammt der Spruch: „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott!“ Daran erinnert mich der Monatsspruch für März als erstes. Als der Prophet Samuel diese Worte an das Volk Israel richtet, begleitet er das Richteramt und es gibt noch keinen König im Land. Später wird er Saul und dann nach ihm David als König einsetzen und salben. Das Volk hat die Bundeslade als Heiligtum, aber noch keine Hauptstadt und noch keinen Tempel. Die Philister hatten die Bundeslade zuerst geraubt und dann wieder zurückgegeben. Sie sind die Gegner und ihre Götter waren auch für manche Israeliten attraktiv.

In dieser Situation spricht Samuel diese Worte aus. Er will das Volk neu auf seinen ureigenen Gott, auf Jahwe, einschwören.

Auch wir leben heute in einem Land, in dem es viele Religionen und Glaubensüberzeugungen nebeneinander gibt. Vom Grundgesetz unseres Landes ist die Glaubensfreiheit garantiert, auch wenn das Zusammenleben in der Realität nicht immer ohne Streitigkeiten und Auseinandersetzungen funktioniert. Das friedliche Nebeneinander und Miteinander von unterschiedlichen Religionen und Kulturen ist auf jeden Fall der beste Weg. Dort wo das mehr im Vordergrund steht, was die Menschen verbindet als das was sie trennt, ist das gut für alle Seiten. Vorurteile, Ängste und überhaupt negative Gedanken über die Anderen tragen dagegen in sich den Keim der Gewalt. Wir wissen, dass dort, wo Glaubenskriege geführt werden, das viel Leid über die Menschen bringt. In der Geschichte des Christentums sind da die Kreuzzüge, der 30-jährige Krieg und die gewaltsame Mission unter den Ureinwohnern nach der Entdeckung Amerikas mahnende Beispiele.

Zurück zu Samuel. Er schimpft hier nicht über die anderen Götter. Er wirbt vielmehr im positiven Sinn für den Glauben an Jahwe, den Gott Israels. Und wenn sich dieser friedliche Weg auch später nicht durchhalten ließ, so sind seine Worte doch in diesem Moment ein guter Wegweiser.

Auch zu unserem christlichen Glauben gehört der Grundsatz, dass wir mit anderen Menschen im Frieden leben sollen. Weil das aber nicht selbstverständlich ist, hat man für das Jahr 2019 als Jahreslosung gewählt: Suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34,15). Die Grundfrage, die also hinter den Worten aus dem 1. Buch Samuel stehen ist für uns: Wer und wie ist unser Gott? Für das Volk Israel war er einer, der sie aus Not und Bedrängnis errettet. Denken wir an die Geschichte von der Rettung am Schilfmeer und an die Bewahrung  in der Wüstenzeit. Hier nun geht es um die Rettung aus der Hand der übermächtigen Philister und das Überleben des Volkes im Land Kanaan.

Für uns geht es darum, woher wir Halt und Orientierung bekommen und was den Glauben an Gott auch heute noch attraktiv macht. Samuel sagt diese Worte nicht nur zu den Menschen seiner Zeit, sondern auch zu uns in unserer Zeit: „Wendet euer Herz wieder dem Herrn zu, und dient ihm allein.“ Unsere Jugendlichen würden sagen: „Was bringt mir das?“ Und wenn wir Erwachsenen ihnen dann vermitteln können, dass der Glaube an Gott eine große Hilfe im Leben sein kann und dass Frieden und Nächstenliebe der Weg von Jesus Christus ist, dann kann das für sie durchaus attraktiv sein. Wir leben in unruhigen Zeiten, in denen vermehrt Menschen auf der Suche nach Halt und Orientierung sind. Unser christlicher Glaube hat gerade für Krisenzeiten viele gute Antworten und hilfreiche Traditionen. Als Kirche und als einzelne Christen sollten wir daher bemüht sein, wie Samuel für unseren Glauben zu werben. Und diese Werbung geschieht weniger durch Worte als durch das eigene Vorbild. Wovon wir selbst überzeugt sind, das können wir auch gut weitergeben. In diesem Sinn ist es gut, wenn wir uns heute neu auf unseren Glauben zurückbesinnen und auf das zurückgreifen, was wir gelernt und erfahren haben. Gott dienen heißt, sich auf seinen Glauben rück zu besinnen, also zu ihm beten, Gottesdienste zu besuchen, die Worte der Bibel zu beherzigen und mit anderen Menschen friedlich zusammenzuleben. Wenn wir das tun, dann sind wir auf einem guten Weg.

 

Ihr Pfarrer Peter Stier